AfD: Dokumentarfilm „Vertreter des Volkes“ bietet einen Blick hinter Bürotüren

Film Beratung
Drei Jahre bei der AfD: Die Dokumentation „Vertreter des Volkes“ führt hinter die Türen der Abgeordnetenbüros

Enrico Komning auf der Spree

Enrico Komning, 53, seit 2017 für die AfD im Bundestag und einer der Abgeordneten, die bei „Volksbeauftragten“ begleitet wurden.

© Volksbeauftragte Produktionsdesign

„Volksbeauftragte“ bietet einen beeindruckenden Blick hinter die Kulissen der AfD: Der Zuschauer nimmt an internen Sitzungen teil, hört Bürositzungen zu und reist in Wahlkreise von Politikern.

Eine Gruppe von AfD-Abgeordneten kommt zusammen und versteht die Welt nicht mehr. Warum gibt es im Bundestag so viel Ablehnung?, fragen sie sich. „Purer Hass“, nennt man es. Dann liefert Norbert Kleinwächter eine Erklärung. Es sei ein klassisches Machtgefüge, sagt er.

Um seine Position zu stärken, denunziert und verunglimpft man den anderen. “So hat es während der Kolonialisierung funktioniert”, sagt er. Dasselbe bei den Hexenverfolgungen, den Apartheidregimen und auch im Dritten Reich. “Und sie versuchen genau das Gleiche mit uns zu machen!”

“Repräsentanten des Volkes” lässt den Zuschauer beurteilen, was er gesehen hat

Szenen wie diese werden im Dokumentarfilm „Vertreter des Volkes“ im ruckartigen Rhythmus gezeigt. Regisseur Andreas Wilcke begleitete nach der Bundestagswahl 2017 drei Jahre lang vier AfD-Abgeordnete, filmte Bürositzungen, Fraktionsinterne Sitzungen, öffentliche Auftritte und Wahlkreisbesuche. Der Film zeigt Abgeordnete, die sexistische Witze machen, sich über rassistische Äußerungen von Parteimitgliedern lustig machen und Verbrechen der deutschen Geschichte verharmlosen. Nichts davon ist neu, aber selten so dicht und so eindrucksvoll dokumentiert. Weil Sie hinter die Bürotüren sehen können.

Der Film selbst ordnet das Gesehene nicht ein. Es gibt keinen Außenstehenden, es gibt keine Experten. Es bleibt dem Betrachter überlassen, den Grenzübergang als solchen zu erkennen. Das birgt immer die Gefahr, dem Dargestellten eine Bühne zu bieten. Aber schon bei der Auswahl der Szenen werden die Widersprüche offensichtlich.

Was dem Film fehlt, ist ein spannender Bogen. Springe zwischen den Protagonisten hin und her. Einige Szenen beginnen und enden abrupt. Der Betrachter muss sich immer wieder in neuen Umgebungen zurechtfinden. Aber das wird im Laufe des Films immer besser. und es lohnt sich

Der Film „Vertreter des Volkes“ läuft ab Donnerstag in ausgewählten Kinos.

Gepostet nach 22/2022

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