Die Merz-Partei kämpft um Profil: Versteht die CDU noch etwas von Wirtschaft?


Analyse

Stand: 31.05.2022 14:58

Robert Habeck statt Ludwig Erhard: Das Image der CDU als Wirtschaftspartei verblasst. Trotz Parteichef Merz. Wie kann es sein?

Von Anita Fünffinger, ARD-Hauptstadtstudio

Friedrich Merz rezitiert einige Sätze wie andere das Vaterunser. Auswendig gelernt und in Stein gemeißelt als die Zehn Gebote. Nichts sollte solche Gewissheiten in Frage stellen.

Wir sind die Partei der Sozialen Marktwirtschaft. Wir sind die Partei, die diese Wirtschaftsordnung in der Bundesrepublik vorangetrieben hat, und glauben nach wie vor, dass wir mit dieser Wirtschaftsordnung nur die großen Probleme lösen können, darunter auch die großen Herausforderungen des Klimaschutzes.

anita fünf finger

Dieser Satz stammt aus dem Bundestagswahlkampf 2021, als Armin Laschet Kanzlerkandidat der Union war und Friedrich Merz der Wirtschaftsexperte im Laschet-Team war.

Eine Bundestagswahl und drei Landtagswahlen später sieht die Welt jedoch etwas anders aus. Viele Wähler sehen die Union nicht mehr als Motor für die wirtschaftliche Weiterentwicklung in Deutschland.

Beispiel aus Nordrhein-Westfalen: Während früher fast die Hälfte der Wähler der CDU gute Wirtschaftspolitik zutraute, war es Mitte Mai 2022 nur noch ein Drittel. Nico Siegel, Geschäftsführer des Electoral Research Institute untere dimapsieht hier eine sehr gefährliche Entwicklung für die Union.

Die CDU muss hier als mit Abstand stärkste Kraft angesehen werden, hat also gute Chancen auf den Wahlsieg. Und wo immer die SPD auf ihn zukommt, wird er kritisch, denn das ist neben der Frage der inneren Sicherheit das klassische Kompetenzfeld der Christdemokraten.

Junge Wähler in Problemzonen

Die Union hat bereits ein Problem mit jungen Wählern und mit Umweltfragen. Ihre Wähler sind tendenziell älter. Sie sagen von sich, dass es ihnen finanziell gut gehe. Geringverdienende Jugendliche und Menschen, die sich Sorgen um den Klimawandel machen, treffen selten auf die CDU.

Das ist die nächste wirtschaftliche Herausforderung für Deutschland. In Zeiten von Krieg, Abhängigkeit von anderen Ländern, hohen Preisen, sorgen Sie dafür, dass die Wirtschaft dieses Landes am Laufen bleibt, die Wohnungen warm bleiben, die Produktionsbänder nicht stillstehen. Und das alles regelt jetzt ausgerechnet ein Minister für Grüne Wirtschaft. Aus der Sicht von Infrarot-Test-Geschäftsführer Siegel ist keine gute Entwicklung für die CDU.

Machen? CDU-Chef Merz sieht sich als Wirtschaftsexperte. Doch das Image der CDU als Wirtschaftspartei verblasst.

Bild: AFP

Habeck statt Erhard

Jetzt reist Robert Habeck um die Welt, um Flüssiggas zu kaufen, er erklärt die Energiewende, es geht ihm um bezahlbaren Strom, und nicht um einen Ludwig Erhard oder einen Peter Altmaier, der sich in der Tradition der Finanzminister der CDU sah. Die CDU selbst hatte mit ihrem Vorsitzenden Merz einen ausgewiesenen Wirtschaftsexperten, der das wohl alles könnte. Infrarot-Test-Geschäftsführer Siegel sagt:

Friedrich Merz gilt durchaus als Experte für Wirtschaftspolitik. Ob er auch als Streben nach sozialem Ausgleich und ökologischer Erneuerung wahrgenommen wird, ist sicherlich fraglich.”

Die Fragezeichen haben offensichtlich auch die Wähler. Bei der Bundestagswahl verlor die CDU gegen Menschen mit hohem Einkommen, Arbeitnehmer und Menschen, die sagen, dass es ihnen finanziell gut gehe. Die Wahlforschung nennt diese Menschen “Entscheidungsträger”. Ein Entscheidungsträger, der frühere Siemens-Chef Joe Kaeser, hatte seine Entscheidung getroffen. Der Wirtschaftschef forderte die Wahl der Grünen.

CDU – die Partei für den wirtschaftlichen Wettbewerb?

Anita Fünffinger, ARD Berlin, 31.05.2022 08:57 Uhr

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