Diese Kandidaten wollen die linke Präsidentschaft

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Diese Kandidaten wollen die linke Präsidentschaft

Nach sehr schlechten Wahlergebnissen und vielen Auseinandersetzungen sucht die Linke einen Neuanfang. Nun zieht es zwei eher unbekannte Hoffnungsträger in die erste Reihe.

Die Linke am Boden, ihre Promis stehen sich gegenüber: Jetzt versuchen die Kandidaten aus der zweiten Reihe, die Party wieder in Gang zu bringen. Am Dienstag traten zwei hoffnungsvolle Parteipräsidenten hinter den Kulissen hervor.

Es sind der Leipziger Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann und der Europapolitiker Martin Schirdewan, beide Mitte 40, beide aus dem Osten, beide offenbar mit ganz ähnlichen Zielen. Das Wichtigste für beide: das Ende des Streits.

Pellmann und Schirdewan werden voraussichtlich Ende Juni beim Parteitag in Erfurt gegeneinander antreten. Weil es höchstwahrscheinlich eine doppelte männlich/weibliche, Ost/West-Führung ist. Die jetzige Präsidentin Janine Wissler vom Landesverband Hessen will wieder für die weibliche Westhälfte an der Spitze kandidieren. Möglicherweise müssen Sie sich auch einem Wrestling-Gebot stellen. Es ist nicht klar, wie das alles funktionieren wird.

Debakel bei Landtagswahlen

Wer die Linke zuletzt von außen betrachtete, fand die einst starke zweistellige Partei in der Kategorie „Andere“. Bei den Landtagswahlen im Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen kam er nicht einmal auf 3 Prozent. Innerhalb der Partei war man in tiefer Depression und Ohnmacht. „Alles ist schrecklich“, sagte er.

Es gab eine öffentliche Debatte über die Kernpositionen, sei es über Klimaschutz, über Migration, über den Krieg in der Ukraine, über Corona-Impfstoffe. Auf offener Bühne rangen die ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht und Gregor Gysi. Der frühere Parteichef Oskar Lafontaine trat aus Protest zurück. Hinzu kommen die Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe beim Landesverband Wissler in Hessen. Und der ratlose Rücktritt seiner Co-Chefin Susanne Hennig-Wellsow.

Wird die Linke noch benötigt? Belebt wird die Party durch eine neue Umfrage im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Darauf aufbauend können sich die 18 Prozent der Wahlberechtigten grundsätzlich vorstellen, für sie zu stimmen. Die Linke ist noch in vier Landesregierungen involviert, in Thüringen ist Bodo Ramelow Ministerpräsident. Und überhaupt: „Die Ampel braucht Druck von links“, sagte Parteichef Wissler am Dienstag im Deutschlandfunk.

Zwei neue Kandidaten, zwei Felder

Nach einigem Zögern und trotz jüngster Misserfolge beschloss der 41-Jährige, noch nicht aufzugeben. Sie habe “etwas für diese Party geplant, ich möchte, dass diese Party stattfindet”, sagte sie. Aber wenn sie Erfolg hat, wer passt an ihre Seite?

Martin Schirdewan wurde 1975 in Ost-Berlin geboren, studierte Politikwissenschaft an der Freien Universität und arbeitete unter anderem als Journalist. Seit 2017 gehört er dem Europäischen Parlament an und ist dort inzwischen Ko-Vorsitzender der Linkspartei.

Sören Pellmann, geboren 1977 in Leipzig, ist Sonderpädagoge und hat als Grundschullehrer gearbeitet. Er gewann 2017 ein Direktmandat in den Bundestag in Leipzig und verteidigte es 2021, eines von drei Direktmandaten, die mit nur 4,9 Prozent der Stimmen die Stärke der Fraktion der Partei im Bundestag sicherten.

Außerhalb der Partei sind beide ziemlich unbekannt. Intern gilt Pellmann als Vertreter des Wagenknecht-Flügels, Schirdewann als konsensfähigster Reformer. Am Dienstag formulierten beide auffallend ähnliche Ziele, darunter eine programmatische Überarbeitung, eine einheitliche Botschaft, bessere Kommunikation, eine Rückbesinnung auf die Interessen der armen und einkommensschwachen Menschen, die „nicht wissen, ob sie ihre Kinder anfangen werden mit einem Käsebrötchen am Monatsende kann man in die Schule schicken“, sagte Schirdewan der ARD.

Ramelows Vertrauter will Vice werden

„Dieser Parteitag sollte ein Signal der Hoffnung, ein Signal des Aufbruchs, auch des Optimismus aussenden“, sagte Schirdewan. „Und ich freue mich, die Partei mit einem starken Team aus Zuversicht aus der Krise zu führen.“ Auch Thüringens Staatskanzleiminister Benjamin-Immanuel Hoff will als stellvertretender Parteivorsitzender, der zeitweilig als Präsidentschaftskandidat fungierte, Teil dieses Teams sein.

Pellmann sagte bei einem Auftritt vor der Volksbühne in Berlin, er wolle von einer “kämpfenden Linken” zu einer “kämpfenden Linken”. Achten Sie besonders auf Ostdeutschland, wo die Linke zur „Stimme der Unzufriedenheit“ werden muss.

Und er erinnerte daran, dass es nicht das erste Mal sei, dass die Partei in Schwierigkeiten gerät. „Ich bin seit 30 Jahren Mitglied dieser Partei, habe viele Höhen und Tiefen erlebt“, sagte Pellmann der Deutschen Presse-Agentur. Erst verlor die Vorgänger-PDS Mitglieder und Vermögen, dann die vernichtende Niederlage bei der Bundestagswahl 2002. Doch danach gab es wieder Erfolge. „Das treibt mich an“, sagte Pellmann. “Ich möchte mit einem Angebot wie diesem Teil der Rettung dieses Spiels sein.”

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(dpa)

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