FC Bundestag: Abgeordnete aus Deutschland gewinnen MS-Politik

Das Finale der Champions League fand am Samstag in Paris statt, Real Madrid besiegte den FC Liverpool. Doch für die Mannschaft des FC Bundestag gab es an diesem Tag ein noch wichtigeres Ereignis: Sie spielten bei der Parlamentarischen Europameisterschaft gegen die Schweiz, gewannen mit 3:0 und holten sich damit den Titel. Johannes Fechner, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, ist seit fast neun Jahren Mitglied des Bundestages. Beim FC Bundestag ist er Mittelfeldspieler.

SZ: In Paris wurde Thibaut Courtois, der Torhüter von Real Madrid, als bester Spieler ausgezeichnet. Wer war dein größter Star?

Johannes Fechner: Auf jeden Fall Oliver Luksic. Er erzielte alle drei Tore gegen die Schweiz. Er traf in der Nachspielzeit zum 1:0 gegen Finnland, das war der Endstand. Und er hat bei unserem 4:0-Sieg gegen Österreich zwei Tore geschossen.

Im normalen Leben ist Luksic Abgeordneter der FDP und Staatssekretär im Verkehrsministerium…

…und der Star des FC Bundestag. Und der Spielertrainer. Und der Sportdirektor. Alles in einer Person.

Sie gewannen alle drei EM-Spiele ohne Gegentor, da sieht der Torhüter auch nicht schlecht aus.

Das ist Andreas Kossenjans. Er ist einer der beiden laut Reglement zugelassenen Spieler, die kein Stellvertreter sein müssen.

Abgeordnete aller Fraktionen sind Mitglieder des FC Bundestag. Bei der Mannschaft, die in Finnland spielte, gab es allerdings einen SPD-Überschuss: Auf der Liste stehen zehn Sozialdemokraten, aber niemand von der Union.

Die Abgeordneten der Union konnten die Zeit nicht einhalten.

Was war damals der Erfolg?

Bei den letzten acht Europameisterschaften waren wir sechs Mal Letzter und zwei Mal Vorletzter. Wir hatten damals viele Parlamentarier bei uns, die im Herbst ihrer Spielerkarriere standen. Dieses Mal haben wir unsere Aufstellung auf Leistung ausgerichtet, weil wir auch gewinnen wollten.

Sie haben es geschafft, den FC Bundestag erstmals seit elf Jahren wieder zum Europameister zu machen.

Wir profitieren davon, dass bei den Bundestagswahlen sehr viele junge Sozialdemokraten und Liberale, die gut Fußball spielen, in den Bundestag eingezogen sind.

Und die anderen Fraktionen?

Die Linke und die AfD waren in Finnland durch die Abgeordneten André Hahn und Jörn König vertreten. Von den Grünen spielten Dieter Janecek und Kassem Taher Saleh.

Gibt es keine Frauen im FC-Bundestag?

Ja, natürlich. Tina Winklmann von den Grünen und Maja Wallstein von der SPD. Leider konnten beide nicht zu anderen Terminen in Finnland dabei sein.

Wenn Sie nicht bei einer Europameisterschaft antreten, haben Sie dann auch Unionsfrauen und Politikerinnen im Team?

Es ist halt wie es ist. Wir treffen uns in jeder Bundestagssitzungswoche um 18:30 Uhr und spielen dann zweimal 30 Minuten. Das ist mein wichtigster Termin der Woche. Sie glauben gar nicht, wie gut es sich anfühlt, aus dem Meeting-Trott auszubrechen und den Kopf frei zu bekommen.

Wer sind also die Gegner an all diesen Dienstagen?

Mal eine Auswahl von Bürgermeistern, mal ein Team des Verteidigungsministeriums, oft gibt es Benefizspiele. Zu Beginn der Saison spielen wir jedes Jahr gegen unsere Fahrer. Es geht also immer gut. Denn die Verlierer müssen sich ein Jahr lang die Sticheleien der Gewinner anhören.

Ihr Kapitän, der SPD-Abgeordnete Mahmut Özdemir, sagt, es gebe keine Fraktionen in der Umkleidekabine oder auf dem Platz des FC-Bundestags.

Dies gilt auch. Im FC-Bundestag gehen wir über die Fraktionsgrenzen hinaus. Sie knüpfen Kontakte und Freundschaften – mit Ausnahme der AfD – die Ihnen dann auch bei politischen Projekten helfen. Und auch international profitieren Sie.

Meinst du auch die EM in Finnland?

Exakt. Ich freue mich natürlich sehr über unseren Titelgewinn. Aber es stimmt auch, wenn man nach dem Spiel bei einem Bier mit finnischen Abgeordneten über einen NATO-Beitritt spricht, ist das viel selbstbewusster und konkreter als auf jeder offiziellen Delegationsreise.

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