Muss die Bundestagswahl wiederholt werden?

DDas einzig Beruhigende an dem Wahldesaster ist, dass es keinen Plan gab. Typisch Berlin. Es gibt keinen Grund für eine neue Verschwörungstheorie, nur Unvermögen. Überforderung als Regelfall und als Besonderheit der deutschen Hauptstadt.

Aber auch das ist nicht so beruhigend: Schließlich ging es nicht um die Organisation der Loveparade oder des parallel in Berlin stattfindenden Marathons, sondern um die Bundestagswahl. In nicht weniger als sechs Wahlkreisen, darunter natürlich Berlin-Mitte, kam es zu so gravierenden Unregelmäßigkeiten, dass der Bundeskassierer selbst Einspruch einlegte und nun dem Berliner Landeskassierer ein systematisches Versagen bescheinigte. Er konnte auch nicht anders als darauf hinzuweisen, dass es die Hauptstadt eines zivilisierten Landes war. Tatsächlich wurden ähnliche Probleme von keiner Großstadt übermittelt; in köln zum beispiel wurde zur wahlzeit eine bombe entschärft und trotz der evakuierungen war es besser als in berlin. Klar, Berlin hat es auch nicht leicht. Es ist ein Stadtstaat und Hauptstadt. Auf der großen Bühne findet provinzielle Langsamkeit statt. Der Zuzug von Politik und Öffentlichkeitsarbeit aus dem Rheinland oder Schwaben macht die Stadt Brandenburg jedoch nicht zu einer Weltstadt. Für viele ist das Berlin und billig. Aber wirtschaftlich ist Berlin anders als das Land, dessen Hauptstadt es ist, ein Zwerg.

Die res publica ist so heruntergekommen wie die Kneipen- und Kreativszene vielfältig. Nicht nur der BER grüßt Sie. Folgt nun also der Bundestag dem Bundesprüfer, stehen in Teilen der Hauptstadt Neuwahlen an. Die Linke wird wohl nicht aus dem Parlament geschmissen. Aber die Zusammensetzung des Parlaments kann sich ändern, wenn alles gut geht. Lange Debatten über die Wahlrechtsreform kann man sich jedenfalls ersparen, wenn die Organisation der Abstimmung und Auszählung schon ein zu hohes Hindernis darstellt.

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