Nach Wahlversagen: Im September verhandelt das Verfassungsgericht

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Berlin (dpa/bb) – Das Verfassungsgericht in Berlin wird erst im Herbst oder Winter über eine mögliche Wiederholung der von zahlreichen Pannen geprägten Wahl zum Abgeordnetenhaus entscheiden. Im laufenden Wahlprüfungsverfahren ist eine Anhörung für Ende September geplant, also ein Jahr nach der Wahl, teilte das Gericht am Mittwoch mit. Ein genaues Datum wurde nicht genannt. Die Lieferungen würden in den kommenden Wochen erfolgen, sagte er.

Eine Sprecherin erklärte, dass der Bekanntgabetermin der endgültigen Entscheidung nach der Anhörung bekannt gegeben werde. Zwischen dem Abschluss der mündlichen Verhandlung und der Bekanntgabe der Entscheidung sollen laut Gesetz nicht mehr als drei Monate liegen.

Dabei sind verschiedene Szenarien denkbar: Das Gericht könnte die Wahl ganz oder teilweise, also in bestimmten Wahlkreisen oder Wahlkreisen, für nichtig erklären. Sie könnten die Einwände aber auch zurückweisen. Voraussetzung für eine Wiederwahl ist, dass die Fehler „wahlzeitrelevant“ sind, sich also auf die Sitzverteilung auswirken.

Am 26. September kam es bei den parallel stattfindenden Wahlen zum Bundestag und zum Berliner Abgeordnetenhaus zu zahlreichen Pannen und organisatorischen Problemen. Dazu gehörten falsche oder fehlende Stimmzettel, die vorübergehende Schließung von Wahllokalen und lange Schlangen davor mit teilweise stundenlangen Wartezeiten. Außerdem waren einige Wahllokale weit nach 18 Uhr geöffnet.

Nach einer Reihe von Einsprüchen gegen die Wahl zum Abgeordnetenhaus hat das Landesverfassungsgericht ein Wahlprüfungsverfahren eingeleitet, in dem abschließend entschieden wird.

Bei der Bundestagswahl ist das Verfahren anders: Über eine mögliche Wiederholung in Berlin muss der Bundestag auf Grundlage einer Empfehlung des örtlichen Wahlprüfungsausschusses entscheiden, die auf viele Einwände stieß. Gegen diese Entscheidung kann dann Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht erhoben werden.

Bundeswahlleiter Georg Thiel forderte am Dienstag bei einer Ausschussanhörung eine teilweise Neuauflage der Bundestagswahl in sechs der zwölf Berliner Wahlkreise. Berlins Interimswahlleiterin Ulrike Rockmann sagte in der Anhörung, sie halte eine Wiederholung der Bundestagswahl nicht für notwendig. Rockmann selbst hatte beim Berliner Verfassungsgericht gegen die Gültigkeit der Wahlen zum Landtag in einigen Bezirken wegen Fehlern Einspruch eingelegt, ebenso wie die interne Verwaltung.

Bei der Prüfung dieser und weiterer Einwände macht der Berliner Oberste Gerichtshof nach Angaben der Sprecherin gute Fortschritte. „Das Verfahren hat für uns eine hohe Priorität“, sagte er. „Wir arbeiten in diesem sehr umfangreichen Prozess mit großer Gründlichkeit und Sorgfalt.“ Es ist möglicherweise das größte, mit dem sich das oberste Gericht in Berlin in seiner 30-jährigen Geschichte befasst hat.

Damit sind nach Angaben der Sprecherin die neun Verfassungsrichter und mehrere wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigt. Sie prüfen derzeit unter anderem die Wählerverzeichnisse der 2.257 Wahllokale; allein diese umfassen mindestens 25.000 Seiten. Auch der „Umgang mit schwierigen Rechtsangelegenheiten“ steht auf der Tagesordnung.

Inzwischen wird nach Angaben der Sprecherin auch eine ergänzende Stellungnahme der Landesbehörde angefordert, die zum Sachverhalt aufklärt. Dieses wiederum wird nun allen mehr als 700 Verfahrensbeteiligten zur Verfügung gestellt, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu den Aussagen zu äußern.

© dpa-infocom, dpa:220525-99-426780/4

Quelle: DPA

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