Tausende von Wahlhelfern werden noch immer für Landtagswahlen vermisst | NDR.de – Nachrichten – Niedersachsen

Stand: 09.06.2022 12:43 Uhr

Am 9. Oktober ist Niedersachsen zu Landtagswahlen aufgerufen. Für einen reibungslosen Ablauf werden freiwillige Helfer benötigt. Entschädigung und Aufwand sind oft abschreckend. Manche Kommunen werden jetzt kreativ.

Gut vier Monate vor der Landtagswahl in Niedersachsen suchen die Kommunen noch Tausende Wahlhelfer. Sie sollen am 9. Oktober einen reibungslosen Ablauf organisieren und die Stimmen auszählen. Vielen Landkreisen, Städten und Gemeinden fällt es schwerer als bisher, Ehrenamtliche für das Ehrenamt zu gewinnen, und das, obwohl laut einer Umfrage zumindest die Corona-Pandemie die Suche diesmal im Vergleich zur Bundestagswahl vor einem Jahr kaum beeinträchtigt der Deutschen Presse-Agentur.


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In Salzgitter werden noch immer die meisten Wahlhelfer vermisst

In der Region Hannover fehlten Anfang Juni noch knapp 300 Helfer, in Wilhelmshaven wurden noch 380 Freiwillige gesucht, im Kreis Harburg rund 350, in Wolfsburg 260, im Kreis Göttingen rund 230 und in Salzgitter 950. Sonstiges Kommunen haben noch nicht mit der Suche begonnen. Die Kreise Ammerland und Osterholz hingegen können bereits ein Zeichen in ihrer Personalplanung setzen: Ihre Wahltagsteams sind komplett. Aber das sind Ausnahmen.

Geringe Aufwandsverteilung, viel Aufwand.

Aus Kommunen hört man oft, dass es immer schwieriger werde, Wahlhelfer zu rekrutieren. “Die Rekrutierung von Wahlhelfern ist dieses Jahr schwieriger als früher”, sagt etwa Wolfsburg. Die Suche gestaltet sich laut Landkreis Vechta „definitiv schwieriger als früher“, und auch der Heidekreis berichtet, dass es „immer schwieriger wird, Freiwillige zu finden“. Zwei Begründungen sind immer wieder zu hören: der vermeintlich hohe Anteil an Briefwählern, der die Auszählung erschwert, und die geringe Ausgabenzuteilung. In den Landeswahlordnungen ist eine Mindestgrenze für das sogenannte Erfrischungsgeld festgelegt, 35 Euro für den Wahlvorsteher und 25 Euro für die weiteren Mitglieder eines Wahlvorstands. Kommunen können jedoch freiwillig höhere Beträge zahlen.

Bis zu 100 Euro: Manche Kommunen zahlen mehr als andere

In Wilhelmshaven und Emden etwa gibt es bis zu 100 Euro für Wahlhelfer, deren Job vor allem darin besteht, Stimmrechte zu prüfen, Stimmzettel zu verteilen und nach 18 Uhr Stimmen auszuzählen. Auch in Oldenburg, wo “noch einige Lücken zu schließen sind”, wurde die Abfindung auf 100 Euro angehoben, um den Dienst als Wahlhelfer attraktiver zu machen. In diesem Jahr sucht die Stadt verstärkt Freiwillige außerhalb der eigenen Verwaltung. Der Kreiswahlleiter hat nicht nur die Behörden um Hilfe gebeten, sondern auch die Unternehmen.

Social-Media-Kampagnen zielen darauf ab, mehr junge Menschen anzuziehen.

Im Allgemeinen werden viele Kommunen kreativ, wenn es darum geht, genügend Personal zu rekrutieren. Mehrere Landkreise nutzen zunehmend Social-Media-Kampagnen, um Jugendliche zu engagieren, wobei einige Städte und Gemeinden eine „Nacht der sozialen Wahlhelfer“ oder gutes Catering versprechen und andere versuchen, wahlberechtigte Schulkinder zu rekrutieren. Gute Erfahrungen damit hat zum Beispiel der Landkreis Oldenburg im vergangenen Jahr gemacht. Die Studierenden seien „sehr interessiert und vertrauensvoll“, sagte Büroleiter Ralf Wiechmann. Allerdings gab es damals auch einen Sondereffekt, denn als der Corona-Impfstoff noch Mangelware war, konnten sich Wahlhelfer früher impfen lassen. Allerdings will der Landkreis auch in diesem Jahr wieder Studenten anziehen.

Die Angst vor Corona „ist kein Ablehnungsgrund mehr“

Auch die Region Hannover erwägt, Berufsschulen anzusprechen. Die Sorge vor Corona-Infektionen wird mittlerweile kaum noch als Absagegrund genannt, wie die Umfrage ergab. „In den letzten zwei Jahren gab es viele Ablehnungen von Risikopatienten. Corona ist bei den diesjährigen Wahlen kein Absagegrund mehr“, teilte etwa die Gemeinde Wangerland in Friesland mit. Übrigens hat trotz aller Schwierigkeiten keine Gemeinde große Bedenken geäußert, dass im Oktober möglicherweise noch sehr wenige Freiwillige zur Verfügung stehen. Wie schnell die Suche neuen Schwung bekommen kann, zeigt ein Blick nach Braunschweig: Dort teilte die Stadt Ende Mai mit, dass noch rund 500 Helfer vermisst werden. Bereits zehn Tage später war die Resonanz so groß, dass inzwischen genügend Personal vorhanden ist, um einen Ausfall verkraften zu können.

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Eine Wahlkarte mit einem Kreuz und dem niedersächsischen Wappen wird in eine Wahlurne geworfen.  © fotolia.com Foto: _AndreL

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | aktuell | 09.06.2022 | 9:30 Uhr.

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